Archäologische Grabung in Berlin am Ursprungsort Cölln – Ausgrabungen am Petriplatz – historisches Zentrum von Cölln jetzt entdecken

Ausgrabung Petriplatz Grundrisse der Grabung

 

Archäologische Grabung in Berlin am Ursprungsort Cölln – Ausgrabungen am Petriplatz – historisches Zentrum von Cölln jetzt entdecken

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Die archäologische Grabung in Berlin-Mitte am Petriplatz begann im März 2007. Hier befand sich im Mittelalter das historische Zentrum von Cölln. Cölln wuchs später mit der mittelalterlichen Stadt Berlin auf der anderen Spreeseite zusammen und wurde zu einer Keimzelle der heutigen Metropole Berlin. Das historische Zentrum von Cölln wurde spätestens seit dem 13. Jahrhundert von der St. Petri-Kirche dominiert.

Historisches Zentrum Cölln

Der einstige Standort der St. Petri-Kirche im Zentrum Cöllns ist seit den siebziger Jahren als Parkplatz genutzt worden. Bis zum Beginn der Ausgrabung am Petriplatz war das historische Zentrum von Cölln nicht mehr als solches zu erkennen. Erst die archäologische Grabung ermöglichte die Bergung des Petri-Kirchhofes und die damit verbundene Wiederentdeckung Cöllns. Nach der Bergung des Kirchhofes müssen nun zahlreiche Untersuchungen vorgenommen werden, um die offenen Fragen bezüglich der Entstehung Berlin/Cöllns zu klären bzw. um mehr über das Leben der ersten Berliner zu lernen. Erfahre hier zu mehr auf unseren Projektseiten zu den Ausgrabungen am Petriplatz.

Ausgrabungen am Petriplatz in Berlin - Bilder

Ausgrabungen am Petriplatz

Die archäologische Grabung dauerte insgesamt drei Jahre und die Erforschung der dabei geborgenen 3.717 Skelette aus insgesamt 3.126 Gräbern dauert noch an. Im September 2015 wurden im Rahmen des internationalen Forschungsprojektes „Medieval space and population“ der Humboldt Universität erneut Ausgrabungen am Petriplatz durchgeführt. Dabei wurden 56 Gräber mit den Gebeinen von 68 Individuen geborgen.

Nach der archäologischen Grabung wurden ein Teil des freigelegten Kirchhofes, sowie der Standort der St. Petri-Kirche verfüllt. Die südlich an den Kirchof grenzenden Grundmauern der Cöllnischen Lateinschule aber blieben offen und wurden mit einem Schutzbau überdacht. Der Originalort soll ab 2018 zu einem archäologischen Besucherzentrum ausgebaut werden. Der angrenzende, neu zugeschnittene Petriplatz wird zu einem attraktiven Stadtplatz umgebaut. 

 Neubauten am Petriplatz

Auszug aus der Schautafel vom Petriplatz. Die Zeichnung zeigt die Lage des zukünftig geplanten Archäologischen Besucherzentrums und und des Hotels Capri by Frazer Hotel an der Stelle des ehemaligen Kaufhaus R. Hertzog. Das House of One ist noch nicht dargestellt.

Wiki Zitat: Das Gebäude des House of One wird nach Entwürfen des bekannten Berliner Architekturbüros Kuehn Malvezzi gebaut. Die Architekten haben sich im Rahmen eines weltweiten Architekturwettbewerbs unter zahlreichen Entwürfen durchgesetzt. Der schließlich ausgewählte Entwurf mit einer klaren Formensprache gruppiert die drei religiösen Räume im Inneren des Gebäudes um einen zentralen Raum herum, der als zentraler Raum der Begegnung gedacht ist. Jeder der drei Sakralräume soll jedoch die Besonderheiten der jeweiligen Religion widerspiegeln. Das Gebäude des House of One soll in unterschiedlichen Phasen gebaut werden. Bereits bei Erreichen einer Spendensumme von zehn Millionen Euro kann mit dem Bau begonnen werden.

Historisches Zentrum Berlin/Cölln 

Zu Anfang der archäologischen Grabung wurden die Bereiche mit den historisch jüngeren Bauten geöffnet. Dabei handelte es sich um jene Grundstücke, die nach dem Kirchenbrand 1730 neu bebaut worden waren. Diese Häuser mit ihren teils weitläufigen Kelleranlagen wurden im Krieg zerstört und nach Kriegsende einplaniert. Bei der Anlage dieser tiefen, modernen Gebäudekeller wurden die älteren Bodenschichten durchschlagen und somit zerstört. Zu dieser relativ modernen Bebauung gehörte u. a. ein großer, länglicher Bau des Kaufhaus-Komplexes R. Hertzog. Das Gebäude entstand 1906 an der Stelle des ehemaligen Rathauses von Cölln. Beim Bau des Kaufhausblocks sind vermutlich Teile der Cöllnischen Rathauskeller zerstört worden. Im Rahmen der jetzigen Umgestaltung des Petriplatzes ist die über den Kirchenstandort verlängerte Brüderstraße zurückgebaut worden. Von 1960 bis 1965 war die Ruine der letzten St. Petri-Kirche abgerissen worden und die Brüderstraße wurde bis zur Gertraudenstraße verlängert. In den Jahren 1964/65 wurden Teile der Kirchenruine gesprengt. Der ehemalige Pfarrer der St. Petri-Kirche, Gerhard Boß, hat die Sprengung der Ruine gefilmt.

Wie aus frühen archäologischen Grabungen bekannt war, befanden sich sehr viele Bestattungen im Erdreich. Diese Gräber gehören zum Petri-Kirchhof, der seit dem 12. Jahrhundert in Benutzung gewesen ist und im Frühjahr 1717 geschlossen wurde. Dieser Kirchhof ist für mehrere Jahrhunderte der zentrale Bestattungsplatz der mittelalterlichen Stadt Cölln gewesen. Hier wurden die ersten Bewohner der mittelalterlichen Spreesiedlung begraben, ihre Kinder, Kindeskinder und Urenkel. Der Kirchhof dürfte etwa 20 Generationen von Alt-Berlinern bzw. Alt-Cöllnern als letzte Ruhestätte gedient haben. Wer heutzutage im Nachmittagsstau auf der Gertraudenstraße unterwegs ist wird sich kaum vorstellen können, dass hier so viele Menschen begraben wurden.

Die nach Abschluss der archäologischen Ausgrabung am Petriplatz begonnenen anthropologischen, genetischen und geochemischen Untersuchungen dieses für die Berliner Stadtgeschichte so wichtigen Bestattungsplatzes, werden viele neue Erkenntnisse erbringen, so zum Beispiel:

  • zur mittelalterlichen Bevölkerungsstruktur
  • zu den Ernährungsgewohnheiten
  • zur Krankheitsbelastung
  • zum Stand der medizinischen Versorgung
  • zur Herkunft der ersten Berliner
  • zur Gründung der Doppelstadt Cölln/Berlin

Bis heute kann niemand genau sagen, wie viele Menschen im Mittelalter in Berlin und Cölln tatsächlich lebten, weil entsprechende Unterlagen fehlen. Durch die gute Erhaltung der Skelette auf dem Petri-Kirchhof und durch die vielen erhaltenen Grablegen werden wir diese Schätzungen präzisieren können.

Die Freilegungsarbeiten im Grabbereich wurden ausschließlich in Handarbeit ausgeführt, um die fragile Substanz der Grabstätten nicht zu beschädigen. Zum Grabungsteam gehört auch eine Spezialistin für menschliches Knochenmaterial (Anthropologin), die bereits während der Freilegung der Bestattungen und während der Bergung erste Analysen an den Skeletten vornahm. Nach dem Ende der Ausgrabungen am Petriplatz wurden 12 Tonnen Streuknochen, also Knochen, die keinem einzelnen Grab zugeordnet werden konnten, wieder bestattet. Die Evangelische Kirchengemeinde St. Petri - St. Marien und die Archäologen stehen in engem Kontakt zueinander, denn die archäologischen Untersuchungen zu den Ausgrabungen am Petriplatz rühren an den Ursprung dieser ältesten Kirchengemeinde Berlins. Bevor mit der Entnahme der Gräber begonnen wurde, hatte die Nachfolgegemeinde der St. Petri-Kirche zusammen mit dem Grabungsteam eine Andacht zum Gedenken an die Toten abgehalten. 

 

Der Memhardt-Plan, Bau- und Stadtplan für Berlin-Cölln, 1652

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Ausgrabungen am Petriplatz in Berlin

 

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