Ausgrabungen am Petriplatz
Ausgrabungen am Petriplatz
Holzfässer aus abgebranntem Keller
Wie hießen die alten Berliner?
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Was wissen wir über die ersten Berliner? Wo war Alt-Cölln?

Die Erforschung der Toten vom Petri-Kirchhof wird im Rahmen des Forschungsprojekts „Medieval Space and Populaion“ vom Landesdenkmalamt Berlin in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte und Landesgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin durchgeführt. Seit 2015 forschen Fachwissenschaftler aus dem In- und Ausland zu ausgewählten Fragen der Berliner Stadtgeschichte. Was kann man aus den alten Gräbern lernen?

Sämtliche Gräber sind in osteologischen Untersuchungen mit verschiedenen Schwerpunkten aufgenommen worden. Zu den Grundanliegen des Projekts gehören die Erforschung der geografischen Herkunft der frühesten Toten, wie auch die Feststellung ihres Verwandtschaftsverhältnisses und die Ermittlung des Zeitpunkts ihrer Ankunft an der Spree. Die Frage der Ankunft der frühesten Toten wird in Zusammenarbeit mit dem Curt – Engelhorn - Zentrum für Archäometrie Mannheim mittels Radiokarbondatierungen untersucht.

Dem verwandtschatlichen Verhältnis der ersten Cöllner gehen die Wissenschaftler des Instituts für Forensische Genetik der Charité Berlin seit mehreren Jahren nach. Der geografischen Herkunft der ersten Cöllner sind Geochemiker von der Bergakademie Freiberg auf der Spur, die mit Strontium-Isotopen-Messungen versuchen, die frühen Cöllner naturräumlich zuzuweisen. An der Universität von Westflorida in Pensacolo/USA ging man mittels C/N-Isotopen-Untersuchungen an den Knochen der Verstorbenen der Frage nach, ob es eine Veränderung in der Ernährung vor und nach der ersten Pest gab. Zum Einfluss der ersten Pandemie auf die europäische Bevölkerung werden zur Zeit mehrere internationale Forschungsprojekte durchgeführt. Eine Grundlage für die Beantwortung umfassenderer Fragestellungen sind Daten von archäologischem Skeletmaterial aus dieser Zeit. Die an ausgewählten Skeleten vom Petriplatz erhobenen Daten werden gegenwärtig publiziert und können so später auch in diese Untersuchungen einfließen. Am Ancient DNA-Center der McMasters University in Kanada wird untersucht, mit welchen Krankheitserregern die alten Cöllner in Kontakt waren. Dazu werden DNA-Untersuchungen an Zähnen durchgeführt. Ähnliche Untersuchungen, jedoch mit Fokus auf die Mehrfachbestattungen vom Petri-Kirchhof, werden am Institut für Klinische Molekularbiologie der Christian-Albrechts-Universität Kiel durchgeführt. Etwa 10 Prozent aller Gräber am Petriplatz enthielten die Gebeine von mehr als einer Person. Bei den Toten aus den Mehrfachbestattungen handelt es sich überwiegend um Kinder und junge Erwachsene. Ingesamt sind in den vergangenen Jahren über 400 Proben zu Spezialuntersuchungen ausgereicht worden. Dadurch ergeben sich noch lange nach Abschluss der Ausgrabungen neue Erkenntnisse. Das Ziel des Projekts „Medieval Space and population“ ist die statistische Rekonstruktion der mittelalterlichen Lebendbevölkerung von Berlin und Cölln und ihrer Lebensbedingungen.

Die bisher erreichten Untersuchungsergebnisse sollten den Freunden des Petriplatzes und der Fachöffentlichkeit im Rahmen eines internationalen Kolloqiums am 15.3.2020 in Berlin erstmals vorgestellt werden. Genau an diesem Tag schlossen wegen der rapiden Ausbreitung des Covid19-Virus alle öffentlichen Einrichtungen Berlins und das Kolloquium konnte nicht stattfinden. Wir stellen hier einige der Kolloquiums-Vorträge online und damit ansteckungssicher zur Verfügung, damit Sie darüber nachsinnen können und diese Erkenntnisse in Ihre eigenen Untersuchungen und Überlegungen zur frühen Siedlungsgeschichte Berlins einbinden können. 

 

 Claudia Melisch: Ausgrabung Petriplatz und Projekt Medieval Space and Population

 

Ines Garlisch: Siedlungsbeginn von Berlin und Cölln aus historischer Sicht

Natasha Powers: Die osteologischen Untersuchungen am Petriplatz

Mariana Zecchini & Kristina Killgrove: Isotopenuntersuchungen C/N zur Ernährung vor und nach der Pest

Kristin Rath, Jessica Rothe & Marion Nagy: Untersuchungen zur genetischen Verwandtschaft der frühen Berliner

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Es wird angenommen, dass Infektionskrankheiten den Homo sapiens uns während der gesamten Evolution begleitet haben - einige, die früher selten waren, sind häufig geworden, andere sind verschwunden und neue Sorten sind entstanden. Die Evolutionstheorie legt nahe, dass das (Nicht-) Auftreten von Infektionskrankheiten erheblich von Umweltfaktoren, menschlichen Verhaltensänderungen und der Wirtsgenetik beeinflusst wird. Die Einführung der Landwirtschaft in der Jungsteinzeit kann als Paradebeispiel für einen Prozess angesehen werden, der wahrscheinlich mit einer Zunahme der Belastung durch Infektionskrankheiten verbunden war. Ging der drastische Rückgang der Bevölkerungsgröße während des Spätneolithikums mit der Entstehung und Ausbreitung spezifischer, vielleicht sogar multipler Zoonosen zusammen? Wie haben sich die Artenvielfalt und die Virulenz von Krankheitserregern im Laufe der Jahrtausende verändert? Diese und andere Fragen werden derzeit behandelt, und die Antworten werden zu einem besseren Verständnis der Epidemiologie von Krankheiten in der Frühgeschichte beitragen. Der Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung von Infektionserregern bakteriellen und viralen Ursprungs. Beispielsweise haben wir in einer multinationalen Kooperation gezeigt, dass die 5300 Jahre alte kupferzeitliche Gletschermumie „Ötzi“ mit dem Magenpathogen Helicobacter pylori (H. pylori) infiziert war. Mehr dazu hier

 

 

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Die Radiokarbon Datierungen wurden im Klaus-Tschira-Zentrum der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim von Dr. Ronny Friedrich durchgeführt. Die Archäometrie umfasst alle naturwissenschaftlichen Methoden, die zur Klärung archäologischer und teilweise auch historischer Fragestellungen angewendet werden. Damit können Alter und Echtheit beispielsweise von Kunstwerken oder archäologischen Funden bestimmt werden.

 

Mehr zur Archäometrie hier.

 

 

Das Curt-Engelhorn Zentrum für Archäometrie stellt auf You Tube eine kurze Erläuterung der Analyse von Objekten mit Hilfe der C-14 Methode zur Verfügung.

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Aus den chronikalischen Nachrichten in den Cöllner Bürgerbüchern sollen hier alle atmosphärischen und geophysischen Mitteilungen aufgelistet werden. Jede Wetternachricht aus den Cöllner Bürgerbüchern wird auf den Tag genau veröffentlicht - nur eben schlappe 500 Jahre später. Das hat in Berlin Tradition :) Die Nachrichten sind dem Originaltext entnommen und enthalten deshalb etwas ungewöhnliche Schreibweisen. Bildlich unterstützt werden die Wetternachrichten vom Umwelt-Cartoon Zeichner Lucas Kranich.

Im letzten Jahr haben wir aus den alten Bürgerbüchern von Cölln insgesamt 76 Aufzeichnungen zum damaligen Wetter veröffentlicht. Die Wettereinträge in den Bürgerbüchern wurden nur sehr unregelmäßig verfasst, meist nur dann, wenn das Wetter zu kleinen bis großen Katastrophen geführt hat. Manchmal wurde es aber auch nur bei der Beschreibung eines besonderen Anlasses nebenher erwähnt. Sehr häufig begegnen uns Wunderzeichen, die uns auch zu der kleinen Comicreihe, erdacht und gezeichnet von Lucas Kranich Cartoons, inspiriert hat.

Alle Wettereinträge mit den unterlegten Comics könnt Ihr euch hier runterladen:  Download Altberliner Wetter

 

Leider gab es keine Einträge zu besonders schönem Wetter, so dass wir hier eigentlich nur von Unwetter und Stürmen berichten konnten. Insgesamt gab es 33 erwähnenswerte Stürme von den 12 allein aufgrund von Blitzeinschlägen dokumentiert wurden. Seht im Folgenden eine kleine Statistik und ein paar Erörterungen zu den Wunderzeichen.

Kreisdiagram zu der Verteilung der Wetteraufzeichnungen aus den Cöllner Bürgerbüchern
Kreisdiagram zu der Verteilung der Wetteraufzeichnungen aus den Cöllner Bürgerbüchern
Zodiakallicht(Quelle: Ule (1883): Die Wunderwelt der Sterne, zweites Buch)
Das Zodiakallicht (Tierkreiszeichenlicht) ist eine Leuchterscheinung entlang der Planetenbahnen, hervorgerufen durch Staubteilchen die sich auf diesen Bahnen befinden. Diese Erscheinung tritt vor allem im Herbst und Frühjahr auf. Sie ist sehr leuchtschwach und deswegen nur in großer Dunkelheit zu sehen. Da es im Mittelalter bzw. auch später nur wenige Lichtquellen gab, ist anzunehmen, dass auch solche schwachen Lichterscheinungen gesehen wurden und als Strahlen am Himmel in die Chroniken eingingen.
(links) Bildquelle: Hermann Koberger, (rechts) Wettereintrag zum 10.09.1580: "Den 10. Septembris ist zu nacht ein uberaus schrecklich wunderzeichen, feuerrot, weiß und schwarz durch einander schneidende in gestalt eines grossen gezelts, am himmel die ganze nacht durch gesehen worden."
 (Quelle: Ule (1883): Die Wunderwelt der Sterne, zweites Buch)(Quelle: Ule (1883): Die Wunderwelt der Sterne, zweites Buch)

 

 

Bestimmte Wetterbedingungen lassen Nebensonnen und sogar Nebenmonde erscheinen. Das Prinzip ist ähnlich wie beim Regenbogen. Vor allem an einem Punkt auf gleicher Höhe zum Himmelskörper leuchtet es besonders stark. Dies erscheint als Nebensonne oder –mond. In diesem Radius können sogar Bögen um die Sonne oder den Mond entstehen. Ein weiteres interessantes Phänomen des Sonnenkörpers ist die „Sonnensäule“. Dieses oberhalb oder unterhalb der Sonne auftretende Lichtbündel ist vermutlich Ursache der zwei bis drei gesichteten Sonnen.

 

(links) Bildquelle: Wikicommons, (rechts) Wettereintrag zu 07.05.1580: "Den 7. Maji in der luft wunderzeichen mit feuerstralen gewesen."

 

 Komet(Quelle: Ule (1883): Die Wunderwelt der Sterne, zweites Buch)

 

Kometen erzeugen bei ihrer Umrundung der Sonne sehr helle Lichtschweife und tauchen sehr unregelmäßig auf.

 

(links) Wettereintrag zu 28.02.1593: "Den 28. Uber Mollerknapen hause ein wunderzeichen gesehen, in derselben nacht sie gebacken, von…scheffeln teig im offen vordorben, so schwarz… wie die erde geworden." (rechts) Bildquelle: Wikicommons

 

SternschnuppenQuelle: Ule (1883): Die Wunderwelt der Sterne, zweites Buch)

 

Sternschnuppen können zu bestimmten Zeiten und bestimmten Bedingungen auch massenhaft auftreten und einen regelrechten Regen bilden. Einzelne Sternschnuppen können zudem sehr hell werden, farbig sein, Geräusche erzeugen und explodieren.

(links) Bildquelle: NASA, (rechts) Wettereintrag zu 14.11.1574: "Den 14. und 15. novembris ist ein erschrecklich zeichen mit großen feurigen schiessenden stralen kegeneinander grausamlichen fechtende am himmel die ganze nacht durch gesehen worden."

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