Ausgrabungen am Petriplatz
Ausgrabungen am Petriplatz
Holzfässer aus abgebranntem Keller
Wie hießen die alten Berliner?

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Die osteologischen Untersuchungen der Skelettfunde vom Petri-Kirchhof werden unter Leitung der englischen Osteologin und Archäologin Natasha Powers durchgeführt. Als Senior Managerin der Grabungsfirma Allen Archaeology Ltd. und früher als Leitende Osteologin der Museum of London Archaeology hat sie an vielen verschiedenen Forschungsprojekten in Großbritannien und Irland gearbeitet. In ihrer mehr als zwanzigjährigen Tätigkeit als Archäologin und Osteologin arbeitete sie an Gräbern und Befunden aus verschiedenen vorgeschichtlichen Epochen bis hin zu Gräbern des 19. Jahrhunderts. Als Leiterin der Osteologie der Museum of London Archaeology (MOLA) instruierte sie die Arbeitsgruppen der Fachbereiche Humanosteologie, Archäozoologie und Archäobotanik. Sie editierte die Monographie über die 10500 mittelalterlichen Gräber vom St. Mary's Spital in London.


Im September 2013 trat Natascha Powers dem Petriplatz-Projekt bei und begann mit den osteologischen Untersuchungen der ersten Skelette. Der osteologischen Arbeitsgruppe traten später Don Walker (MoLA London), Dr. Katie White, Dr. Bettina Jungklaus, Barbara Tessmann und Laura Schwarz (alle Berlin) bei. Natasha Powers und die genannten Kollegen verwenden für die Befundung der Skelettserie vom Petri-Kirchof identische Kriterien wie für die Gräber des St. Mary Spitals, welche im Anschluss als wertvolle Referenzserie für den Abgleich paläopathologischer und paläodemografischer Daten dienen werden.

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Auch Isotopenverhältnisse geben Hinweise, wo Menschen und Tiere gelebt haben. Die meisten Elemente treten in Form von verschiedenen Isotopen auf, welche eine unterschiedliche Atommasse aufweisen, da jedes Isotop eine charakteristische Anzahl von Neutronen einbaut. Die Atommasse eines Isotops, also die Summe aus Protonen und Neutronen, werden als hochgestellte Zahl vor dem Element angegeben (z.B. sind 13C und 12C die häufigsten Isotope des Elementes Kohlenstoff). In der Isotopengeochemie werden Isotopenverhältnisse als „fingerprint-Methode“ genutzt, da sie Auskunft zur Herkunfts- und/oder Bildungsbedingungen des zu untersuchenden Materials liefern. Die Strontium-Isotopie, also das Verhältnis von 87Sr/86Sr, dient als geographisches Spurensignal (tracer), da dieses Verhältnis in verschiedenen geographischen Regionen oft unterschiedlich ist und bereits sehr geringe Unterschiede in den 87Sr/86Sr-Verhältnissen analytisch bestimmt werden können. Zum Beispiel unterscheidet sich die Strontium-Isotopie des Bodens und des Grundwassers der Regionen des Erzgebirges sehr stark von denen um Berlin. Das Strontium im Boden stammt ursprünglich aus den darunter liegenden Gesteinen, wobei die Strontium-Isotopie des Bodens dann identisch ist mit der des Gesteins. Das Grundwasser wiederum nimmt das Strontium aus dem Boden auf. Wenn sich Menschen lokal ernähren, also nur das Getreide aus der eigenen Region essen, baut ihr Körper (insbesondere die Knochen und Zähne) dieses Strontium aus dem Grundwasser ein, so dass die Strontium-Isotopie dieser Menschen identisch mit der des Bodens bzw. Grundwassers ist. Folglich besitzen Knochen und Zähne eines „Erzgebirglers“ eine deutlich andere Strontium-Isotopie als die eines „Berliners“. Voraussetzung dafür ist jedoch eine Ernährung aus lokalen Quellen (insbesondere Getreide und Gemüse, die am meisten Strontium enthalten), was für das Mittelalter angenommen werden kann. Mit Hilfe der Strontium-Isotopie können also „Einwanderer“ identifiziert werden, die deutlich andere 87Sr/86Sr-Verhältnisse aufweisen, als die Mehrheit der ansässigen Bevölkerung. Außerdem kann auch Migration nachgewiesen werden, wenn z.B. ein Mensch seine Kindheit im Erzgebirge verbracht hat und später nach Berlin eingewandert ist. Die Zähne der Menschen bewahren die ursprüngliche Isotopie am besten und sind am wenigsten anfällig gegenüber späteren Veränderungen (z.B. während einer langen Lagerung in einem veränderten Boden oder durch Kontamination mit anderem Material). Unter Leitung von Prof. Marion Tichomirowa (Technische Universität Freiberg) werden daher im Freiberger Isotopenlabor* Sr-Isotopenuntersuchungen durchgeführt, um mehr zu erfahren, woher die ersten Berliner gekommen sein könnten. Um diese Frage zu klären, ist die Kombination verschiedenster Methoden (z.B. archäologische Quellen, historische Quellen, genetische Analysen, Isotopenanalysen) besonders wichtig.

 

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Aus den chronikalischen Nachrichten in den Cöllner Bürgerbüchern sollen hier alle atmosphärischen und geophysischen Mitteilungen aufgelistet werden. Jede Wetternachricht aus den Cöllner Bürgerbüchern wird auf den Tag genau veröffentlicht - nur eben schlappe 500 Jahre später. Das hat in Berlin Tradition :) Die Nachrichten sind dem Originaltext entnommen und enthalten deshalb etwas ungewöhnliche Schreibweisen. Bildlich unterstützt werden die Wetternachrichten vom Umwelt-Cartoon Zeichner Lucas Kranich.

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Die Namen der alten Berliner sind bis heute immer noch in zahlreichen Kirchenbüchern der verschiedenen Berliner Kirchenkreise einzusehen. Die wichtigste Quelle dafür ist das Landeskirchliche Archiv in Berlin (ELAB). Dort erhält man Einblicke in Militär- und Kirchenbücher, Taufkarteien sowie in die Register für Bestattungen und Trauungen. Die ältesten Eintragungen führen hierbei bis in das  16 Jhd. zurück. Eine weitere Möglichkeit den alten Berlinern näher zu kommen, bilden die Bürgerbücher von Berlin und Cölln. Dabei führt das älteste Bürgerbuch der Stadt Berlin sogar bis ins 15 Jhd. (1453 – 1700)1, während die Bürgerbücher von Cölln an der Spree die Jahre 1508-1611 und 1689 bis 1709 sowie die chronikalen Nachrichten von 1542 bis 16102 umfassen. Der wohl älteste, bekannte Name ist der des Symeon, welcher als Pfarrer von Cölln am 28. Oktober 1237 als Zeuge in einem Rechtsstreit in der Stadt Brandenburg auftritt. Die entsprechende Urkunde wurde aber erst im Jahr 1238 ausgestellt.

 

Die alten Berliner. Was erfahren wir aus den Bürgerbüchern?

Die Bürgerbücher verzeichneten alle Neubürger einschließlich der Bürgersöhne, die das Bürgerrecht erhielten. Für den Erhalt des Bürgerrechts musste man ein Bürgergeld zahlen und den Bürgereid schwören. Die folgende Abbildung zeigt den Bürgereid, wie er in den Cöllner Bürgerbüchern zu finden ist:

Bürgereid von Altberlin
Abb. 1: Ablichtung des Bürgereids aus den Bürgerbüchern von Cölln an der Spree auf Seite XII.

 

Um in den Genuss des Bürgerrechts zu kommen, musste man aber neben dem nötigen Kleingeld auch noch folgende Bedingungen erfüllen:

  • Man musste von ehelicher Geburt sein.
  • Man durfte nicht leibeigen oder Untertan sein.
  • Man durfte nicht andernorts in Rechtshändel verwickelt sein.
  • Man musste seine wirtschaftliche Unabhängigkeit beweisen oder einen Lehr- bzw. Meisterbrief vorgelegen.
  • musste man auch einen Bürgen stellen.

Zitat: Mit dem Bürgerrecht erwarb man zugleich u.a. Freizügigkeit, freies Konnubium (Verbindung zwischen ursprünglich voneinander abgegrenzten gesellschaftlichen Gruppen), Testierfreiheit, Freiheit von nichtstädtischer Heerfahrt und von stadtfremder Gerichtsbarkeit, aktives und – häufig mit Einschränkungen – passives Wahlrecht. Als Bürger hatte man jedoch auch Pflichten, dazu zählten die Treuepflicht der Stadt gegenüber, die Bereithaltung eigener Waffen und Waffendienst zur Stadtverteidigung, Hilfe bei Löschdiensten, termingetreues Zahlen der städt. Steuern und vor einem Wegzug die Genehmigung des Rats einzuholen.  

In einigen Städten konnte auch Frauen das Bürgerrecht erwerben, jedoch tauchen in den Bürgerbüchern von Cölln keine Frauen auf (bis auf Anna Hentzkens und Elisabeth die Jeronimusin ).

Das folgende Diagramm (Abb.2) zeigt die jährlichen Bürgeraufnahmen von Cölln von 1508-1611 und 1689 -1709. Für die erste Zeitspanne schwankt die Anzahl der Bürgeraufnahmen nur wenig und liegt im Durchschnitt bei 16,6 Neubürger pro Jahr. Ausnahmen bilden die Jahre 1585 mit 120 Neubürgern, 1609 mit 73 Neubürgern und die Jahre 1510, 1548, 1556 und 1567, die ohne Einträge sind. Für die Zeit zwischen 1611 und 1689 gibt es für die Stadt Cölln keine Aufzeichnungen, jedoch für die Stadt Berlin. Helga Schulz beschreibt hier für die Jahre 1650 bis 1680 einen durchschnittlichen Zuwachs von 23,7 Neubürgern pro Jahr3.

Für die Jahre 1689 bis 1709, nach der Aufzeichnungslücke, ist ein deutlicher Anstieg der jährlichen Neubürgerzahlen mit durchschnittlichen 73,5 pro Jahr zu erkennen. Ein ähnlicher Anstieg ist auch für Berlin zu verzeichnen. Vergleicht man den Zeitraum 1689 bis 1709 zwischen Cölln und Berlin, ergibt sich sogar für fast alle Jahre ein ähnlicher Trend der jährlichen Ab- und Zunahmen.

 

Bürgeraufnahmen von Cölln
Abb. 2: Anzahl der Bürgeraufnahmen aus den Bürgerbüchern von Cölln an der Spree. Für die Jahre 1612 bis 1688 sind keine Aufzeichnungen bekannt. Für die Jahre 1508 bis 1611 beträgt im Durchschnitt die jährliche Anzahl an Neubürgern 16,6 (Mittelwert ohne die Jahre 1510, 1548, 1556, 1567,1585 und 1609). Für die Jahre 1689 bis 1709 beträgt die durchschnittliche, jährliche Anzahl an Neubürgern 73,5 (ohne 1709).

 

 

 

Bürgeraufnahmen von Cölln und Berlin
Abb. 3: Vergleich der Anzahl der jährlichen Neubürger zwischen Cölln (in schwarz) und Berlin (in blau) von 1689 bis 1709. Die Anzahl der Neubürger von Berlin wurde aus der Abb.2 in „Sozialgeschichte einer Residenz“von Helga Schulz abgelesen und kann somit hier nur als ungefährer Wert angegeben werden.

 

 

Dazu muss gesagt werden, dass nicht alle Klassen und Schichten gleichermaßen das Bürgerrecht erhielten und die Statistik damit nur bedingt repräsentativ ist. Wie bereits beschrieben, konnten nicht alle das Bürgerrecht erhalten. Davon ausgeschlossen waren weitgehend die zahlreichen unselbständigen Lohnarbeiter der Stadt, die Gesellen, Tagelöhner und Dienstboten. Sie mussten nur dann Bürger werden, wenn sie ein eigenes Häuschen hatten (aus: „Berlin 1650-1800 Sozialgeschichte einer Residenz“, Helga Schulz).

Eine statistische Erhebung zu Geburts- und Sterbefällen in Berlin gibt es seit dem Jahr 1583. Sie ist in dem Werk „Der Königlichen Residenz Berlin schneller Wachstum und Erbauung“ von Johann Peter Süßmlich aus dem Jahr 1752 enthalten. Süßmilch war Pfarrer der St. Petri-Kirche und Probst von Cölln. Er hat als erster Deutscher versucht, die Entwicklung einer Bevölkerung in Zahlen zu beschreiben und gilt daher international als Erfinder der deutschen Bevölkerungsstatistik. Schätzungen der damaligen Einwohnerzahlen liegen bei ca. 2000 Einwohner zur Gründungszeit und einen Bevölkerungswachstum auf ca. 9000 Einwohner um 1600. Zu diesem Zeitpunkt war der Petriplatz Kirchhof wohl schon fast vollständig belegt. Mit den Ausgrabungen auf dem Petri-Kirchhof können wir innerhalb des Projektes an Süßmilchs Zahlen anknüpfen und somit auch die Repräsentanz der geborgenen Skelettserie prüfen (Süßmilch 1752). Durch die umfangreichen Ausgrabungen am Petriplatz mit über 3000 geborgenen Gräbern, die bis in die Entstehungszeit der Stadt Cölln zurückreichen, können nicht nur bisherige Statistiken neu geprüft, sondern nun auch neue Zahlen für die Anfänge der Stadt geliefert werden.

 

Was verraten uns die Bürgerbücher noch? Was sagen uns die Namen der alten Berliner?

Neben den Zahlen der Neubürger geben die Bürgerbücher auch oft Auskunft über den Beruf und die Herkunft der Dazugezogenen. Besonders interessant sind diese Daten und Namen für Genealogen und Ahnenforscher. Um unseren alten Cöllnern ein bisschen näher zu kommen und die Erinnerung an sie ein wenig lebendiger wirken zu lassen, veröffentlichen wir deshalb hier, in regelmäßigen Abständen, die Namen aus den Einträgen der Cöllner Bürgerbücher sowie den chronikalen Nachrichten in alphabetischer Reihenfolge. Wer es schafft, die Wurzeln seines Stammbaums bis in das alte Cölln zurück zu verfolgen, der kann vielleicht in Zukunft mit einer genetischen Analyse und mit einer riesengroßen Portion Glück eines unserer geborgenen Skelette als Vorfahren identifizieren lassen. Das Petriplatz-Team wünscht euch viel Spaß beim Durchstöbern der Namen der alten Cöllner.

 

 

Quellen:

1 Peter von Gebhardt, „Das ältetee e Berliner  Büürgerbuch 1453-1700, Berlin 1927

2 Peter von Gebhardt, „Die Bürgerbücher von Cölln an der Spree 1508-1611 und 1689-1709 und die chronistischen Nachrichten des ältesten Cöllner Bürgerbuches 1542-1610, Berlin 1930

3 Helga Schultz, „Berlin 1650-1800, Sozialgeschichte einer Residenz“,  Akademie-Verlag Berlin 1987

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