Ausgrabungen am Petriplatz
Ausgrabungen am Petriplatz
Holzfässer aus abgebranntem Keller
Wie hießen die alten Berliner?
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Die Cöllnische Lateinschule geriet für mehr als 250 Jahre in Vergessenheit, nachdem sie im Jahr 1730 zusammen mit der St. Petri-Kirche und 40 weiteren Häusern abgebrannt war. Das hölzerne Baugerüst des neu gebauten Kirchturms endete nur wenige Schritte vom Eingang der Lateinschule entfernt. Als der neue Kirchturm Pfingsten 1730 durch dreifachen Blitzschlag in Brand geriet, griff das Feuer auch schnell auf die Schule über. Die Stelle, an der sich die Schule befand, wurde später nie mehr bebaut. Die dicken Grundmauern der Lateinschule waren die ersten Strukturen, die bei den neuen Grabungsarbeiten am Petriplatz zu Tage traten. Die Fundamente der Lateinschule, mithin der ältesten bekannten Schule Berlins, sollen sichtbar erhalten bleiben und mit ihren alten Steinen an die lange, wechselvolle Geschichte des Petriplatzes erinnern.

 

Nach dem Brand wurden die Keller der Lateinschule als Kalkgruben benutzt. Kalk wurde reichlich benötigt, um das abgebrannte Stadtquartier wieder aufzubauen. Innerhalb von drei Jahren nach dem Brand war auch die neue, barocke St. Petri-Kirche fertig gestellt. Als die Kalkgruben nicht mehr benötigt wurden, verfüllte man sie mit Hausmüll. Diese Müllhalde wurde jetzt wieder entdeckt. Die Ausstellung SandGut im MitteMuseum am Festungsgraben zeigt einen repräsentativen Querschnitt der zahlreichen Funde. Entsorgt wurden von der Austernschale bis zur Zahnbürste alles, was der Cöllner Haushalt Mitte des 18. Jh. zu bieten hatte. Unter den Funden ragen einzigartige Fundkomplexe von mehr als 1000 Glassiegeln, von zahllosen Stücken Fayencegeschirr und von mehreren mehren reich verzierten Öfen heraus. Eindrucksvolle Zeugen der Vergangenheit sind fein gearbeitete Objekte aus Bein und zahlreiche Rüböllämpchen, die der Beleuchtung dienten.

 

Wann die Cöllnische Lateinschule gegründet wurde ist nicht überliefert. Viele Lateinschulen in Deutschland sind im 13./ 14. Jh. gegründet worden. Latein war die Sprache des Mittelalters. Schon im 12. Jh. verfasste Eberhard von Béthune eine lateinische Grammatik. Die Stadtschulen gliederten sich in drei Klassen: die Anfänger wurden wegen der Tabula, einer Fibel mit einfachen Texten, Tabulistae genannt. Die Fortgeschritten hießen Donatistae und die Erfahrenen nannte man Alexandristae. Im Cöllner Stadtbuch ist 1442 eine Schule erwähnt. Diese Schule wurde im Jahr 1558 vergrößert. Auch einige Namen und Daten von Schuldirektoren der Cöllnischen Lateinschule sind bekannt:

 Rektoren der Lateinschule Cöllns

Es ist nicht sicher, ob die Schule ursprünglich in dem Gebäude am südlichen Rand des St. Petri-Kirchhofs untergebracht war. In Brandenburg/Havel sind die Altstädtische Lateinschule und die St. Gotthardt-Kirche mit ihrem Kirchhof stadträumlich nahezu identisch angeordnet. Der Rektor der Altstädter Lateinschule ist 1346 erwähnt. Das erhaltene Schulgebäude der Altstädtischen Lateinschule wurde im Jahr 1552 errichtet. Es ist ein zweigeschossiger, traufständiger Fachwerkbau am Rand des Kirchhofs. Auch die Cöllnische Lateinschule war zweigeschossig. Im Obergeschoss befand sich die Rektorenwohnung. Der Zugang zur Schule erfolgte über den Kirchhof. Zugleich lag der Schuleingang dem Westwerk der Kirche gegenüber, wodurch die Lateinschüler kurze Wege zur Kirche hatten. Ihnen kamen besondere Verpflichtungen bei der Verrichtung der täglichen Gottesdienste zu.

 

Auch die keramischen Funde künden vom christlichen Selbstverständnis der Cöllner. Auf dem Rand einer Fayenceschüssel entziffert man Worte: Was mein Gott will das gesche alle Zeit sein Wille der ist der beste zu helfen den, 1745. Auf dem Teller wird ein altes Kirchenlied zitiert, dessen erste drei Strophen von Albrecht von Preußen um 1554 niedergeschrieben wurden. Die zugehörige Melodie ist älter als der Text. Claudin de Sermisy hat sie 1529 komponiert.

 

Was mein Gott will, gesche allzeit, sein Will der ist der beste.

Zu helfen dem ist er bereit, der an ihn glaubet feste.

Er hilft aus Not, der treue Gott, er tröst’ die Welt ohn Maßen.

Wer Gott vertraut, fest auf ihn baut, den will er nicht verlassen.

 

Auf einem anderen Teller ist eingeritzt: Alles waß wir haben sind Gaben Gottes. Auf einem braungrundigen Teller prangt in heller Schrift: Auf meinen lieben Gott halt ich. Gottesfürchtigkeit und Aberglaube prägten die menschlichen Vorstellungen und Verhaltensweisen seit dem Mittelalter. Hochzeit und Begräbnis waren entscheidende gesellschaftliche Ereignisse.

 Keramikfunde Irdenwaren zusammengestellt

Die mittelalterlichen und neuzeitlichen Lebensverhältnisse waren von einer räumlichen und gesellschaftlichen Beengtheit geprägt, die heute schwer nachvollziehbar ist. Leben und Sterben waren aufs Engste miteinander verflochten. Auf dem St. Petri-Kirchhof beispielsweise standen mehrere Marktbuden, die so genannten Scharren. Darin wurde unter anderem Brot und Fleisch verkauft. Deshalb hieß die Scharrenstraße zeitweilig auch Hinter den Brodtscharren. Durch räumliche Enge und hygienischen Mangel war die Sterblichkeit hoch. Die Frauen gebaren viele Kinder von denen wenige überlebten. Durch Schwangerschaft und hohe Geburtenfrequenz war besonders die Gesundheit der Mütter gefährdet. Kinder und alte oder kranke Menschen waren anfälliger in Zeiten der Mangelversorgung. Es ist wenig über die Cöllner Bevölkerung bekannt. Erst ab 1594 liegen Zahlen zur Sterbehäufigkeit in der Parochie St. Petri vor. Danach verstarben etwa 100 bis 150 Personen pro Jahr. Im Pestjahr 1598 starben in Berlin und Cölln mehr als 3000 Personen. Im Pestjahr 1645 gab es in Cölln 401 Häuser, in Berlin 835 Häuser. In beiden Städten lebten damals ca. 20.000 Einwohner. Genauere Zahlen liegen nicht vor.

 

Die Toten vom Petriplatz stellen Ausschnitte der historischen Bevölkerungen dar. Die Alters- und Geschlechtsverteilung der Toten spiegelt die Alters- und Geschlechtsstruktur der lebenden Gesellschaften wider. Die Krankheitsbelastung und der Ernährungszustand der toten Cöllner reflektieren den Versorgungszustand der lebenden Gesellschaften. Wir wissen durch die Untersuchungen von H. Seyer aus den 60er Jahren, dass die ältesten Gräber des Friedhofs noch älter als der früheste, nachgewiesene Kirchbau sind. Durch die anthropologische Auswertung dieser frühen Gräber und Skelette werden einzigartige statistische Erkenntnisse zur Struktur der Ansiedlung Cölln und deren Bevölkerungsentwicklung gewonnen. Am Ende der Auswertungen werden wir errechnen können, wie viele Menschen in Cölln während der verschiedenen historischen Epochen vermutlich wohnten und möglicherweise auch, woher die ersten Siedler kamen. Leider verraten die Gräber nichts über die Namen der Toten. Der erste namentlich bekannte Einwohner war der 1237 lebende Symeon, Pfarrer der St. Petri-Kirche.

[1] Klöden, K. F. v.; Schmidt, V.H.: Die ältere Geschichte des Köllnischen Gymnasiums bis zu seiner Vereinigung mit dem Berlinischen Gymnasium, nebst einigen Worten ..., Berlin 1825.

[2] Klöden, K. F. v.; Schmidt, V.H.: Die ältere Geschichte des Köllnischen Gymnasiums bis zu seiner Vereinigung mit dem Berlinischen Gymnasium, nebst einigen Worten ..., Berlin 1825.

[3]  Aus den Bürgerbüchern von Cölln an der Spree 1508-1611 und 1689-1709, Gebhardt 1930. Klöden, K. F. v.; Schmidt, V.H.: Die ältere Geschichte des Köllnischen Gymnasiums bis zu seiner Vereinigung mit dem Berlinischen Gymnasium, nebst einigen Worten ..., Berlin 1825.

[4]  Aus den Bürgerbüchern von Cölln an der Spree 1508-1611 und 1689-1709, Gebhardt 1930. Klöden, K. F. v.; Schmidt, V.H.: Die ältere Geschichte des Köllnischen Gymnasiums bis zu seiner Vereinigung mit dem Berlinischen Gymnasium, nebst einigen Worten ..., Berlin 1825, 9.

[5]  Aus den Bürgerbüchern von Cölln an der Spree 1508-1611 und 1689-1709, Gebhardt 1930. Klöden, K. F. v.; Schmidt, V.H.: Die ältere Geschichte des Köllnischen Gymnasiums bis zu seiner Vereinigung mit dem Berlinischen Gymnasium, nebst einigen Worten ..., Berlin 1825.

[6]  Aus den Bürgerbüchern von Cölln an der Spree 1508-1611 und 1689-1709, Gebhardt 1930. Klöden, K. F. v.; Schmidt, V.H.: Die ältere Geschichte des Köllnischen Gymnasiums bis zu seiner Vereinigung mit dem Berlinischen Gymnasium, nebst einigen Worten ..., Berlin 1825.

[7] Aus den Bürgerbüchern von Cölln an der Spree 1508-1611 und 1689-1709, Gebhardt 1930.

[8] Aus den Bürgerbüchern von Cölln an der Spree 1508-1611 und 1689-1709, Gebhardt 1930. Klöden, K. F. v.; Schmidt, V.H.: Die ältere Geschichte des Köllnischen Gymnasiums bis zu seiner Vereinigung mit dem Berlinischen Gymnasium, nebst einigen Worten ..., Berlin 1825.

[9] Klöden, K. F. v.; Schmidt, V.H.: Die ältere Geschichte des Köllnischen Gymnasiums bis zu seiner Vereinigung mit dem Berlinischen Gymnasium, nebst einigen Worten ..., Berlin 1825.

[10] Aus den Bürgerbüchern von Cölln an der Spree 1508-1611 und 1689-1709, Gebhardt 1930. Klöden, K. F. v.; Schmidt, V.H.: Die ältere Geschichte des Köllnischen Gymnasiums bis zu seiner Vereinigung mit dem Berlinischen Gymnasium, nebst einigen Worten ..., Berlin 1825.

[11] Aus den Bürgerbüchern von Cölln an der Spree 1508-1611 und 1689-1709, Gebhardt 1930. Klöden, K. F. v.; Schmidt, V.H.: Die ältere Geschichte des Köllnischen Gymnasiums bis zu seiner Vereinigung mit dem Berlinischen Gymnasium, nebst einigen Worten ..., Berlin 1825.

[12] Klöden, K. F. v.; Schmidt, V.H.: Die ältere Geschichte des Köllnischen Gymnasiums bis zu seiner Vereinigung mit dem Berlinischen Gymnasium, nebst einigen Worten ..., Berlin 1825, 17.

[13] Klöden, K. F. v.; Schmidt, V.H.: Die ältere Geschichte des Köllnischen Gymnasiums bis zu seiner Vereinigung mit dem Berlinischen Gymnasium, nebst einigen Worten ..., Berlin 1825, 17.

[14] Klöden, K. F. v.; Schmidt, V.H.: Die ältere Geschichte des Köllnischen Gymnasiums bis zu seiner Vereinigung mit dem Berlinischen Gymnasium, nebst einigen Worten ..., Berlin 1825, 18.

[15] Klöden, K. F. v.; Schmidt, V.H.: Die ältere Geschichte des Köllnischen Gymnasiums bis zu seiner Vereinigung mit dem Berlinischen Gymnasium, nebst einigen Worten ..., Berlin 1825, 18.

[16] Klöden, K. F. v.; Schmidt, V.H.: Die ältere Geschichte des Köllnischen Gymnasiums bis zu seiner Vereinigung mit dem Berlinischen Gymnasium, nebst einigen Worten ..., Berlin 1825, 18.

[17] Klöden, K. F. v.; Schmidt, V.H.: Die ältere Geschichte des Köllnischen Gymnasiums bis zu seiner Vereinigung mit dem Berlinischen Gymnasium, nebst einigen Worten ..., Berlin 1825, 18.

[18] Klöden, K. F. v.; Schmidt, V.H.: Die ältere Geschichte des Köllnischen Gymnasiums bis zu seiner Vereinigung mit dem Berlinischen Gymnasium, nebst einigen Worten ..., Berlin 1825, 9.

[19] Klöden, K. F. v.; Schmidt, V.H.: Die ältere Geschichte des Köllnischen Gymnasiums bis zu seiner Vereinigung mit dem Berlinischen Gymnasium, nebst einigen Worten ..., Berlin 1825, 18.

[20] Klöden, K. F. v.; Schmidt, V.H.: Die ältere Geschichte des Köllnischen Gymnasiums bis zu seiner Vereinigung mit dem Berlinischen Gymnasium, nebst einigen Worten ..., Berlin 1825, 18.

[21] Klöden, K. F. v.; Schmidt, V.H.: Die ältere Geschichte des Köllnischen Gymnasiums bis zu seiner Vereinigung mit dem Berlinischen Gymnasium, nebst einigen Worten ..., Berlin 1825.

[22] Klöden, K. F. v.; Schmidt, V.H.: Die ältere Geschichte des Köllnischen Gymnasiums bis zu seiner Vereinigung mit dem Berlinischen Gymnasium, nebst einigen Worten ..., Berlin 1825.

[23] Klöden, K. F. v.; Schmidt, V.H.: Die ältere Geschichte des Köllnischen Gymnasiums bis zu seiner Vereinigung mit dem Berlinischen Gymnasium, nebst einigen Worten ..., Berlin 1825.

[24] Klöden, K. F. v.; Schmidt, V.H.: Die ältere Geschichte des Köllnischen Gymnasiums bis zu seiner Vereinigung mit dem Berlinischen Gymnasium, nebst einigen Worten ..., Berlin 1825.

[25] Klöden, K. F. v.; Schmidt, V.H.: Die ältere Geschichte des Köllnischen Gymnasiums bis zu seiner Vereinigung mit dem Berlinischen Gymnasium, nebst einigen Worten ..., Berlin 1825.

 

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Wann in Cölln das erste Rathaus gebaut wurde ist nicht bekannt. Anzunehmen ist, dass es auch im Mittelalter ein Rathaus gegeben hat. Vermutlich am selben Standort. Die früheste Nachricht von dem Rathaus ist in der Chronik der Berliner Stadtschreiber erhalten. Dort sind Renovierungsarbeiten am Cöllnischen Rathaus für das Jahr 1580 vermerkt. Das Rathaus hatte einen überdachten, vorspringenden Anbau, die so genannte Gerichtslaube. Im Jahr 1612 wurden in der Gerichtslaube zwei Gewölbeträger entfernt, weil man eine Ratswaage einbauen wollte. Durch den Abriss der Träger stürzte ein Teil des Gebäudes ein. Der Wiederaufbau dauerte bis 1614. Es wurde dabei auch ein Turm an das Rathaus angebaut. Schon 1656 war die nächste Generalreparatur des Rathauses notwendig geworden.

historisches Zentrum Berlin Cölln mit Rathaus im Hintergrund

Cöllnischer Fischmarkt mit dem Cöllner Rathaus im Hintergrund (Stich von J. G. Rosenberg 1784)

Auf Wunsch König Friedrich I., der sich auch bei den Umbauten an der St.-Petri-Kirche engagierte, sollten die beiden Stadtverwaltungen von Berlin und Cölln unter einem gemeinsamen Magistrat mit Sitz im Cöllnischen Rathaus vereinigt werden. Das alte Gebäude genügte den neuen Anforderungen nicht. Deshalb wurde ein neues Rathaus gebaut. Die Grundsteinlegung fand am 08.08.1710 statt. 1713 starb König Friedrich I. Sein Sohn, König Friedrich Wilhelm I., hatte andere politische Maximen als sein Vater. Er ordnete eine konsequente Sparpolitik an. Die Ratstagungen sollten weiter im alten Berliner Rathaus stattfinden. So wurde das Cöllner Rathaus erst 1723 fertig gestellt. Schon kurze Zeit später wurde es zweckentfremdet genutzt. Als 1730 beim Brand der St.-Petri-Kirche auch das Cöllnische Schulgebäude abbrannte, wurden die Gymnasialschüler für einige Zeit im Rathaus unterrichtet. Als das Cöllnische Gymnasium mit dem Berlinischen Gymnasium im Grauen Kloster vereinigt wurde, zog die sechsklassige Cöllnische Schule in das Rathaus ein und der Rektor bekam dort eine Wohnung. Von 1822-1870 diente das Rathaus als Sitz der Stadtverwaltung. 1880 zog das Märkische Provinzialmuseum mit seinen Sammlungen in das Rathaus ein, wobei einige Räume weiterhin von der Stadtverwaltung genutzt wurden. Zur Verbreiterung der Gertraudenstraße wurde das Cöllnische Rathaus 1899/1900 abgerissen.

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Wann die erste St. Petri-Kirche gebaut wurde ist unbekannt. Es gibt keine Stiftungsurkunde. Die Kirche ist mindestens zweimal durch Großbrände zerstört worden. Dabei wurden wichtige Unterlagen vernichtet. Die früheste Erwähnung der Kirche findet sich in einer Urkunde vom 2. Januar 1285, in der festgehalten wurde, dass die Markgrafen Otto V. und Otto VI. von Brandenburg, der St. Petri-Kirche zwei Wispel Roggen stifteten. Aber schon im Jahr 1237 fungierte ein Symeon, Pfarrer von Cölln, als Zeuge in einem Rechtsstreit zwischen dem Bischof von Brandenburg und den dortigen Markgrafen. Wenn Symeon um 1237 Pfarrer in Cölln war, dürfte es die St. Petri-Kirche zu diesem Zeitpunkt bereits gegeben haben.

Der Kirchenbau vor 1237 (erste St. Petri-Kirche) ist bei kleinräumigen archäologischen Untersuchungen im Jahr 1967 nachgewiesen worden. Es wurde aber ein noch älteres Fundament gefunden. Die untersten Gräber waren von diesem älteren Fundament geschnitten. Das heißt, dass die Gräber vor dem Bau der ersten Steinkirche angelegt worden sind. Es könnte vorher eine Fachwerk-Kirche oder eine Kapelle gegeben haben. Die Entstehungszeit der allerersten Kirche ist unbekannt, die ältesten Gräber sind um 1150/60 entstanden, wie Radiokarbondatierungen zeigen.

Die spätere Geschichte der St. Petri-Kirche ist in groben Zügen bekannt. Die Kirche, der im Jahr 1285 der Roggen vermacht wurde, verfiel wohl Anfang des 14. Jahrhunderts. Damals wurde angeblich der Propst Nikolaus von Bernau vor der Berliner Marienkirche ermordet. Daraufhin wurden sowohl die Berliner Kirchen als auch die Cöllner Kirche mit dem päpstlichen Bann belegt. Viele Jahre durften keine Gottesdienste in diesen Kirchen abgehalten werden. Die Berliner und Cöllner mussten sich vom Bann freikaufen und die Gemeinden verarmten wegen der hohen Beträge, die hierfür zu zahlen waren.

Als der Bann im Jahre 1345 aufgehoben wurde, planten die Kirchenoberen in Cölln einen Kirchenneubau. Dieser war um 1379 im Gange. Aus einem Ablassbrief des Magdeburger Bischofs Petrus geht hervor, dass die Bauarbeiten an der Kirche unter akutem Geldmangel litten. Wann diese Kirche fertig gestellt wurde ist nicht bekannt, doch wurde im Jahr 1434 ein Taufstein aus Metall verfertigt. Die um 1379 begonnene Kirche hat 351 Jahre lang am Petriplatz gestanden, bis sie am 29. Mai 1730 dreimal vom Blitz getroffen wurde und abbrannte. Die Kirche war vor dem Brand mehrfach renoviert worden und es gab größere Probleme mit dem Kirchturm. Der wurde 1587 repariert, war aber aufgrund von Witterungseinflüssen im Jahr 1605 wieder baufällig. Schließlich wurde der Turm zurückgebaut. Der Turmstumpf wurde mit einem Dach geschlossen, welches von den Cöllner Bürgern als das Stadtbild störend empfunden.

Grundrisse der verschiedenen Petriplatz Kirchen

Grundrisse der verschiedenen Petri-Kirchen.

Zu Anfang des 18. Jahrhunderts wurde ein neuer Turm geplant. König Friedrich Wilhelm I. setzt sich für das Bauvorhaben ein. Der Turm der Petrikirche sollte mit 108,02 Metern das höchste Bauwerks Europas werden. Die Petri-Kirche wurde bis 1717 renoviert und bekam 1718 eine Kanzel aus weißem Marmor, geschaffen vom Hofbildhauer Johann Conrad Koch. 1726 wurde mit der Abtragung des alten Turms begonnen. 1727 begann der Turmneubau. Am 29. Mai 1730 schlug in den noch eingerüsteten Turm ein Blitz ein, kurz darauf ein zweiter in die Kuppel. Ein dritter Blitz entzündete das geteerte Seil eines Materialaufzugs im Turm-Inneren. Man versuchte vergeblich, das brennende Gerüst vom Turm abzuhacken. Der Küster rettete die silbernen Altargeräte aus der Sakristei. Auch mehrere Wohnhäuser im Umkreis der Kirche fingen Feuer und brannten vollständig ab. Die Löscharbeiten dauerten zwei Wochen. Am 2. Juni brach die Turmruine auseinander. In der Kirche blieben der metallene Taufstein, zwei Kassen und ein Metallgitter von der Kanzel erhalten sowie Bücher einer Bibliothek, die der Kirche 1650 gestiftet worden war.

Der König befahl, umgehend mit dem Wiederaufbau der Kirche zu beginnen. Am 1. Oktober 1730 wurde der Grundstein für die barocke Petri-Kirche gelegt. Bei den Arbeiten an den Fundamenten kam es zu Problemen mit dem Grundwasser. Am 27. Juli 1731 fand die Grundsteinlegung statt. Am 28. Juni 1733 wurde die Kirche eingeweiht. Der Turm war zu dieser Zeit noch nicht fertig und die nötigen Arbeiten wurden stark beschleunigt. Am Abend des 21. August 1734 stürzte der neue Turm ein und zerstörte das Kirchenschiff und zwei Häuser in der Scharrenstraße. Die Kirche wurde zwar repariert, aber es wurde kein Kirchturm mehr gebaut. In der Nacht vom 19. zum 20. September 1809 brach im Inneren der Kirche ein Feuer aus. Es gelang nicht mehr, den Brand unter Kontrolle zu bringen. Am nächsten Morgen waren die Kirche und die umliegenden Marktbuden ein Raub der Flammen geworden. Das Feuer war in der Vorhalle ausgebrochen, in der die Besitzer der Marktbuden einige Sachen gelagert hatten. Vermutlich hatte ein nicht ganz gelöschtes Kohlebecken den Brand verursacht.

Fundamente der alten Petrikirche nach den Grabungen

Fundamente der gesprengten St. Petri-Kirche im Dezember 2009, kurt vor dem Verfüllen.

Vor Überlegungen zum Wiederaufbau der Petri-Kirche bestanden Probleme mit dem Abtragen der hohen, barocken Kirchenruine. Letztlich erklärte sich ein Mauermeister Berger bereit, den Abriss zu wagen. Er trug die Kirchenruine innerhalb von zwei Jahren ab. Statt einer Kirche sollte nun ein Platz geschaffen werden. Diese Pläne scheiterten jedoch an den Berlinern. Freischärler nutzen den Platz für militärische Übungen und die Bürger benutzen ihn als Abkürzung. Die Kirchen-Verantwortlichen pflanzten Bäume darauf, um ihn zu verschönern. Dieser Zustand hielt etwa 30 Jahre an. Dann wurde über einen Neubau der Kirche an einer anderen Stelle nachgedacht, weil schon damals ein Mangel an öffentlichen Plätzen in der Stadt bestand. Außerdem befürchteten die Besitzer der umliegenden Häuser einen Wertverlust ihrer Häuser, wenn eine Kirche sie verschatten würde. Die Pläne zur Erbauung der Kirche anderswo scheiterten jedoch, daran das die Kirchgemeinde kein Geld für einen Grundstückskauf hatte. 

So wurde im Jahr 1846 am alten Platz mit dem Neubau der St. Petri-Kirche begonnen. Am 3. August 1847 erfolgte die Grundsteinlegung. In den Grundstein wurden die im früheren Grundstein gefundene Kupfertafel, 12 Münzen, eine Votivtafel vom 27. Juni 1731, ein Berliner Adress-Kalender des Jahrs 1847, ein Verwaltungsbericht der Stadt Berlin für die Jahre 1829-1840, ein Verzeichnis der an der Armenpflege beteiligten Personen, ein Buch zur Geschichte der Petrikirche von Dr. Valentin Schmidt, sowie Stücke der zu dieser Zeit kursierenden Gold- und Silbermünzen und die auf Porzellan gebrannten Pläne und Abbildungen der neuen Kirche und noch weitere Unterlagen eingemauert. Der Grundstein war bei der Auffindung im Jahr 2007 leider leer. Durch das Revolutionsjahr 1848 stand zwar weniger Geld für den Kirchenbau zur Verfügung, aber aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit konnten mehr Arbeiter eingestellt werden. Am 18. Oktober 1849 wurde das Richtfest für die Kirche gefeiert. Am 17. Mai 1852 war der Turm fertig und ein kurzer Abriss der Baugeschichte wurde in den Turmknopf eingelegt. Am 16. Oktober 1853 wurde die neue Kirche eingeweiht.

Die St. letzte Petri-Kirche ist in den letzten Tagen des II. Weltkriegs im Jahr 1945 durch Brand infolge von Beschuss beschädigt worden. Bis zum Jahr 1951 wurden die Kriegs-Schäden an den Fassaden repariert. In einem Brief von 1954 wehrt sich das Evangelische Konsistorium gegen den nunmehr geplanten Abriss der Kirchenruine.

Im Jahr 1959 waren weitere Sanierungsarbeiten an der Kirchenruine erforderlich, welche die Finanzmittel der Kirchengemeinde überstiegen. Der Abriss der Kirchenruine mit dem noch 98 Meter hohen Turm wurde beschlossen.

Von 1960 bis 1964 wurde die Ruine der St. Petri-Kirche abgerissen. Am 29.12.1962 und am 25.05.1964 wurden die verbliebenen Gebäudeteile gesprengt.

 Am 1.1.1965 wurde die Petri-Gemeinde mit der Luisenstädtischen Gemeinde vereint. Zum 1.1.2006 fusionierte die St. Petri-Luisenstadt-Gemeinde mit der St. Marien-Gemeinde zur St. Petri-St. Marien-Gemeinde Berlin.

 

 

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